Was wir gelernt haben

 

 

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Was wir gelernt haben... 

Es ist Prager Frühling und wir befinden uns in der Tauwetterphase. Die Sonne scheint und zieht die Kinder nach draußen auf die Spielwiese des Lebens. Die Väter des Krieges sind in der Arbeit hinter dem Eisernen Vorhang und kommen erst am Lebensabend wieder nach Hause. Die Mütter stehen im Heim am Herd und bereiten das Essen nach der Salamischeibentechnik zu. Damit es kein Gleichgewicht des Schreckens gibt, wiegen sie die Wurst sorgfältig ab bevor sie sie in den melting pot geben. Die Kinder sind im Garten Eden und vergnügen sich mit der Dominotheorie. Sie legen sich Steine in den Weg und einer wird der Stein des Anstoßes sein, der alle anderen zu Fall bringen wird. Oder sie spielen mit Stöcken hinter der Mauer des Spielplatzes die Dolchstoßlegende nach, fallen den anderen in den Rücken und versuchen mit aufgeblähten Regierungsapparaten Luftschlösser zu bauen. Die roten Luftballons fliegen bald über der ganzen Stadt. Aber was sie wollen ist keine Kulturrevolution, auch keine Grüne Revolution, und sie sind auch nicht mehr bereit vom Dunkel durchs Feuer zum Licht zu gehen. Nein, was sie wollen ist Friede. Wenn sie ihre Karren mit den Achsen des Bösen aus dem Dreck ziehen, machen sie Liebe, nicht Krieg. Der Terrorismus des 21. Jahrhunderts ist in ihren Städten angekommen und sie wollen nicht die Ausländer raus, sondern den Frieden rein. Kein Feinstaub mehr, keine PISA-Studien und keine 2/3-Gesellschaft. Und die ganz radikal Erlassenen unter ihnen fordern nicht nur eine Phase der Entspannung, sondern das Ende des Ost-West-Konflikts. Das ist ihr Traum. Und deshalb gehen sie später auch zur Schule, in den Ernst des Lebens. Sie hoffen dort mit Wissen gefüttert zu werden und müssen dann enttäuscht feststellen, dass sie um ihr Recht auf Bildung betrogen worden sind. Sie wurden zwangskollektiviert, in Sonderwirtschaftszonen unterrichtete und musste konzertierte Aktionen durchführen. Und kein Notstandsgesetz der Welt konnte sie vor dem Muff der Talare retten. So traten sie den Marsch durch die Institutionen an und schafften es am Ende doch nicht, eine wirkliche Demokratisierung der Hochschulen zu erreichen. Noch hat der Schüler nicht mitzureden und die Zensur der Pressefreiheit schwebt wie ein Damoklesschwert über den sonst sonnigen Gemütern und erscheint manchen wie ein unlösbarer Gordischer Knoten. Eine neue Armut entstand. Und wenn sie nach dem Abitur immer noch kein Glasnost und Perestrojka haben, dann ist das nicht ihre Schuld, und es liegt auch nicht an der Anziehungskraft der Magnettheorie. Wenn es am Ende auf den Tisch gehauen hat, wenn kein Wandel durch Annäherung eingetreten ist, dann liegt das allein daran, dass alle den Kopf in den Stand stecken und hoffen, dass die Zeit alle Wunden heilt und zudem Gras über die Sache wachsen lässt. Und es zeigt sich einmal mehr: nichts, aber auch gar nichts, das man in der Schule lernt, kann man im Leben gebrauchen...

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