Rumänien 2003

 

 

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Hallo an alle,                                

Dip, dip, dip, dip

Dip, dip, dip, dip..........................yeah!
Dip, dip, dip, dip................
..........yeah! 

Uh, uh, uh, uh…………………..Yeah!
Uh, uh, uh, uh…………………..Yeah!

Who put the grace in the gra- gra- grace?
Who put the faith in the fai- fai- faith?
Who put the love in the lo- lo- love?
Who put the hope in the ho- ho- hope?

Who was that man?
I’d like to shake his hands,
for he gave his live and he died for you and me!

Whow, whow, whow, whow

Das war der Hit des Sommers! Und er ist mir immer noch im Ohr! Ich war diesen Sommer für zwei Wochen in Rumänien in Dorohoi und habe dort beim Aufbau eines Spielplatzes mitgeholfen. In Dorohoi wird gerade ein Kinderdorf für Waisenkinder aufgebaut und weil ich dort unten einen Bekannten habe und weil mir dieses Projekt sehr am Herzen liegt beschloss ich, irgendwie dorthin zu kommen und zu helfen.

Zuerst einmal etwas zur geografischen Lage von Dorohoi. 30 km von der ukrainischen Grenze entfernt im Nordwesten von Rumänien. In der Nähe liegen Suceava (sprich: Sutschawa) und Botoşani (sprich: Botoschan). Um dorthin zu kommen muss man durch Österreich und Ungarn fahren.

 ch bin mit einer Gruppe von Pfadfindern, den Royal Rangern aus Backnang, gefahren. Freitags um 3 Uhr in der Nacht ging es los. Ein oranger VW-Bus ohne Kopfstützen, Klimaanlage oder Fenster zum öffnen (nur vorne), ein weißer VW-Bus mit Kopfstützen und Anhänger, ein roter Sharan und ein lilaner Galaxy. Ich kannte keinen und keiner kannte mich, aber das war nicht schlimm, denn ich verreise ja schon seit zwei Jahren ohne jemanden zu kennen. Ich fuhr im orangenen VW-Bus mit und die erste Zeit haben alle geschlafen, es war ja noch mitten in der Nacht. Irgendwann haben wir dann mal eine Frühstückspause gemacht, irgendwo in Österreich angehalten um noch mehr Gepäck einzuladen und dann waren wir an der ungarischen Grenze. Es heißt, man soll schon eine halbe Stunde vor der Grenze beten, damit man nicht auspacken muss! Ich glaube, das haben ziemlich viele gemacht! Und siehe da, wir mussten nur ewig warten, aber dann durften wir nach einem kurzen Blick (!) in unseren Anhänger und der Kontrolle unserer Reisepässe nach Ungarn einreisen.

 

Eine neue Welt! Eine neue, unverständliche Sprache. Ähnelt wohl dem finnischen. Na ganz toll! Nimitechnizemtekel oder so was in die Richtung! Und das soll man auf den Straßenschildern mal so eben lesen können! Gewagte Überholmanöver, an die man sich schnell gewöhnt hatte und es sogar selber so machte, Sonnenblumenfelder ohne Ende und Wassermelonen am Straßenverkauf! Und so billig! 1270 Forint (~4,40 Euro) für 3 (oder waren es sogar 4?) Wassermelonen! Und zwar keine kleinen! Sondern bestimmt 10-12 Kilo Teile! Davor durch Budapest! Unsere Autokolonne hat sich auf Grund der vielen roten Ampel nach einer Weile aufgelöst und unser Führer war verschwunden! Natürlich hatten wir keine Wegbeschreibung, so dass wir prompt die falsche Straße genommen haben! M3 oder doch lieber nur 3? M0? M2? Viele Leute, viele Autos, viele Abzweigungen! Aber dank dem Handy haben wir uns mit dem führenden Auto verständigen können und sind dann doch noch auf die richtige Straße gekommen. Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher und ein zum Glück nur bedeckter, aber dennoch warmer Himmel! Und dann hatten wir es endlich geschafft! Wir waren aus Budapest draußen! Nun hieß es Campingplatz suchen! Weg von der glatten Autobahn auf raue Straßen durch Dörfer und über Felder! Und noch einmal verfährt man sich um dann doch endlich irgendwann anzukommen! Wer spricht ungarisch? Aber die Pförtner haben uns auch so verstanden. Mit polnisch glaube ich. Zelt aufbauen, Erbswurstsuppe essen, Gute Nacht!

Am nächsten Morgen haben wir den Campingplatz um 8 Uhr verlassen und sind weiter gefahren. Noch eine Weile durch platte Gegenden mit Gänsen und Obstplantagen bis zur rumänischen Grenze. Politia de Frontiera – Grenzpolizei – ich versteh wieder was! Dort hat es etwas länger gedauert, aber wir haben sie passiert ohne unsere ganzen Taschen zu öffnen und mit einem Stempel in unseren Pässen.

Vorsicht! Hinter der rumänischen Grenze sind ganz viele Straßenkinder, die zu den Autos gelaufen kommen! Ich habe keine gesehen! Aber wir mussten die Uhr umstellen. Eine Stunde später war es plötzlich. Nicht mehr 12 Uhr sondern 13 Uhr. Noch ein kurzer Halt an einer Tankstelle mit einem einzigen Straßenkind an der Straße (nicht am Auto) und dann ging es los durch Rumänien. Oh ist das schön, wenn  man die Sprache wieder einigermaßen versteht! Wir sind die meiste Zeit durch die Karpaten gefahren. Zuerst haben wir uns noch einmal verfahren, aber dann kamen die ersten Berge in Sicht und sie waren mir sofort sympathisch. Ein Abbild der Schwäbischen Alb. Ruhe und Gemütlichkeit in den kleinen, vernachlässigten Holzhütten, die in kleinen Ansammlungen Dörfer bildeten. Bauern beim Heumachen, Kuhtreiber und herumstreunende Kinder. Danach die Alpen. In jedem noch so kleinen Bergdorf fand sich eine monströse orthodoxe Kirche. Vor den eingezäunten Grundstücken auf Bänken saßen alte und junge Leute und haben sich unterhalten und uns nachgeschaut. Ein armes Land. Aber nicht ohne Regeln die eingehalten werden. Die Rumänen sind zwar im überholen fast genauso gut wie die Ungarn, aber sie halten wirklich bei jedem Stoppschild konsequent an. Und auch bei jedem Bahnübergang, und davon gibt es viele. Genauso wie Pferdekutschen. Je weiter man nach Osten fährt desto mehr werden es. Man ist somit ständig am überholen. Noch einmal die schwäbische Alb und dann wurde es zu dunkel um etwas zu erkennen. Um 22 Uhr Ortszeit kamen wir nach zählbaren Pinkelpausen, unzählbaren Hoppelstraßen und Schlaglöchern in Dorohoi an. Zelte aufbauen, Gute Nacht.

Am nächsten Morgen (Sonntag) fing der Rhythmus an. Sonntag war immer Gottesdienst, anschließend Essen mit allen Leuten vom Kinderdorf. Danach ausruhen und erholen (wir von der Fahrt, andere von der Woche). Dienstag und Donnerstag war Terrassenmeeting mit allen Leuten am Abend mit Essen und Trinken. War auch sehr schön.

Die Leute waren alle sehr nett und umgänglich, auch wenn es immer welche gibt die angeben, nerven, schweigen, faul sind oder zu klein um zu arbeiten.

Am Montag wurde angefangen zu arbeiten. Unser Tagesplan war recht einfach gestaltet:

 6.30 Uhr – Aufstehen

7.00 Uhr – Frühstück

danach – Andacht

vor 8.30 Uhr – Klo und Bad putzen

danach – Arbeiten

12.00Uhr – Mittagessen

bis 15 Uhr – Mittagspause

danach – Arbeiten

20 Uhr – Abendessen

21.00 Uhr – Klo und Bad putzen

zwischen 22.00 und 23.00 Uhr Nachtruhe

So ging es von nun an zwei Wochen lang. Klingt recht einfach, nicht? Nun, das war es aber nicht so ganz. Für viele Leute (wir waren 24) gab es keine Arbeit, und die mussten sich dann irgendwie anders vergnügen. Oder sie bekamen die Deppenjobs. Es gab immer welche, die rumgehangen sind und dann für alle möglichen Gelegenheitsarbeiten herangezogen wurden. Die Leute, die für diesen Einsatz eine Beförderung bekamen hatten Vorrang und durften auf der Baustelle mitarbeiten. Da ich nicht zu den Rangern gehöre hatte ich nichts zu tun. Viele jüngere auch nicht und so spielten wir „Phase 10“, lasen, lagen im Schatten oder schauten den Arbeitern zu. Die meisten waren im Alter zwischen 13 und 17, arbeiteten aber wirklich hart! Natürlich waren auch ein paar „Männer“ dabei, die das Ganze geleitet und auch das meiste gemacht haben.

Irgendwann fing ich dann an Gemüse zu schneiden und blieb so in der „Küche“ hängen. Es war keine richtige Küche. Gekocht wurde in der Jurte, einem großen schwarzen Zelt ohne Boden, auf einem Gaskocher.

Das Wetter. Die meiste Zeit war es brütend heiß. Die Wettervorhersage: Regen, Regen, Regen. Einmal hat es geregnet. Den ganzen Tag. Morgens hat es sachte angefangen zu tröpfeln. Deshalb kam ich endlich mal in den Genuss ein Loch zu graben – keiner sonst wollte. Es regnete immer stärker und wollte nicht mehr aufhören. Mittags waren alle nass und der Bau wurde gestoppt für diesen Tag. Alle saßen in der Jurte und versuchten sich aufzuwärmen. Nach und nach verschwanden die Leute in ihren eigenen Zelten. Die Jurte war zum Glück dicht, was man nicht von allen Zelten behaupten konnte. Meins zum Beispiel. Irgendwie habe ich es geschafft, es dicht zu bekommen, aber auch nicht so wirklich toll. Auf dem Dach der Jurte hat sich Wasser gesammelt, das nicht mehr abgelaufen ist. Irgendwann ist die eine Seite eingekracht, weil die Häringe in dem weichen Boden nicht mehr gehalten haben. Es war was los! Schnell wurde das Zelt wieder aufgebaut und neue Häringe wurden eingeschlagen. Eisenstangen vom Bau! Es wurde Abend und es regnete noch immer. Nachts kam dann noch der hier übliche Wind dazu und ein dolles Gewitter. Ich habe kaum geschlafen. Mitten in der Nacht krachte die Jurte dann ganz ein. Am nächsten Morgen wurde sie wieder aufgebaut und richtig gut vertäut und sie hat dann auch den nächsten Regen einwandfrei überstanden. Alles war matschig, alles war nass. Aber die Sonne schien wieder und trocknete unsere Sachen. Es wurde gewaschen und aufgehängt und man fühlte sich wieder besser. Außer einem zweiten Tag an dem es regnete (allerdings lang nicht so stark und lang nicht so lang) war immer schönes Wetter. Die Mittagspause ließ sich nur im Schatten aushalten, Kopfbedeckung war Pflicht und Sonnencreme zu empfehlen. Ich bin ganz schön braun geworden!

Nachmittags durften wir von fünf bis halb acht mit den Kindern spielen. Anfangs dachte ich ja, ich will das nicht, aber irgendwie hatte es doch etwas anziehendes. Einmal haben wir für die Kids eine Spielstraße gemacht, das war voll schön, denn dabei durften die endlich mal aus ihrem kleinen, engen Garten raus, in den sie während der Bauarbeiten gesteckt wurden. Leider war es uns nicht erlaubt, Fotos von den Kindern zu machen, aber wenn man mal ins Internet schaut sieht man dort einige Bilder (www.mca-hci.de).

Und was gibt es sonst noch zu sagen? Ich habe nette Leute kennen gelernt, die Rückfahrt sind wir durchgefahren und jetzt bin ich wieder daheim und vermisse Rumänien.

Rumänien. Gott hat eine Liebe für dieses Land in mir geweckt. Ich wäre gerne länger dort geblieben, aber es gab im Moment nichts zu tun für mich. Und so werde ich irgendwann wiederkommen um dort etwas für Gott zu tun, denn dieses Land braucht eine Motivation weiter zu machen, braucht eine Liebe, die es aufbaut, braucht die Gewissheit, dass es sich lohnt auf Erden zu sein.

 

Viele liebe Grüße Christine