Ringmord 

Es fiel ein leichter Niesel und der Mann, der durch die engen Gassen der Stadt lief, hatte seinen Hut tief ins Gesicht gezogen. Er war spät dran und eigentlich durfte er sich eine Verspätung nicht leisten. Mit raschen Schritten näherte er sich einem alten, ehrwürdigen Gebäude. Die Stufen, die hinauf zu einer alten Eichentür führten, waren glatt. Der Mann hielt einen Moment inne, dann besann er sich und nahm zwei Stufen auf einmal. Außer Atem kam er vor dem Eingang der alten Bibliothek zum Stehen. Keuchend legte er seine Hand auf die Klinge und drückte die Tür auf. Er trat ein und augenblicklich umfing ihn eine wohlige Wärme. In einem Sessel am Kamin saß, mit dem Rücken zu ihm, den, den er gesucht hatte.

„Ich habe dich schon erwartet. Tritt näher.“ Tönte eine Stimme aus dem Sessel.

Der Mann bewegte sich langsam auf den Sessel zu und dabei schaute er immer wieder nach links und rechts. Dann zog er einen kleinen Gegenstand aus seiner Hosentasche und hielt ihn abwägend in der Hand.

„Nun mach schon! Es ist nichts dabei wenn du es tust.“

Noch konnte ihn der Mann im Sessel nicht sehen, noch wusste er nicht, was ihn erwartete. Das Feuer im Kamin warf ein flackerndes Licht und der Mann fuhr sich nervös über das Gesicht. Ein letzter Schritt noch, dann stand er neben dem Sessel und streckte seine Hand aus. Er hielt sie dem Mann im Sessel vor die Brust. Der Alte, nachdem er seinen Kopf gedreht hatte wusste der Mann, dass sein Gegenüber die Grenze schon längst überschritten hatte, lächelte ein Lächeln, das der Mann nicht sehen konnte und nahm den Gegenstand aus der Hand. Er hielt ihn gegen das Licht und betrachtete ihn eingehend.

„Gut gemacht, K., anscheinend hat die Übergabe geklappt. Und es hat niemand etwas davon erfahren?“

K. schüttelte den Kopf und wie es ein Vater bei seinem braven Sohn macht, tätschelte der Alte K. die Wangen.

„Jetzt kann ich endlich in Frieden sterben.“ Und mit diesen Worten richtete er die Waffe auf K. und drückte ab. Der Knall wurde von den alten Büchern gedämpft und ein zufällig vorbeikommender Spaziergänger würde nichts hören außer einem leisen dumpfen Laut, der genauso gut daher rühren könnte, dass ein Buch aus dem Regal fiel. Der Alte erhob sich und beugte sich dann über K.. Er nahm dessen Hut und verließ die Bücherei.

„So ein Sauwetter!“ schimpfte er, als er in den Niesel trat. Den Gegenstand hatte er gut in seiner Hosentasche verstaut. Er zog sich den Hut tief ins Gesicht und warf einen Blick auf seine Uhr. Er war bereits spät dran und eigentlich durfte er sich eine Verspätung nicht leisten. Mit raschen Schritten näherte er sich einem alten, ehrwürdigen Gebäude....

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