Weiß leuchtete die große Wand im hellen Licht der gerade aufgegangenen Sonne. Ein kleiner Junge, höchstens 1,20m groß und gerade einmal 7 Jahre alt, stand davor und sah sie bewundernd an. Neben ihm stand ein Eimer, welcher ihm bis zu den Knien reichte und in dem sich eine zähe Flüssigkeit befand. Mit dem rechten Arm stützte er sich auf einen überdimensionalen Pinsel und unter den linken Arm hatte er ein dicke Rolle Papier geklemmt. Es war noch früh am Morgen und der Junge rieb sich mit der linken Faust die Augen um die restliche Müdigkeit zu vertreiben. Er hatte kaum etwas gefrühstückt und der Eimer mit dem Leim wog schwer für einen so kleinen Jungen. Von den ersten Anstrengungen bereits erschöpft setzte er das Papier auf den Boden und zog das erste Rechteck heraus. Gähnend stieß er den Pinsel in den Leim und zog ihn dann triefend wieder heraus. Er klatschte den Kleister an die Wand und drückte das erste Stück Papier darauf. Er hatte links unten begonnen und noch sah man nicht mehr als ein Stückchen Sandstrand und einen kleinen, roten Krebs. Er war noch nie am Strand gewesen - er war zwar oft am Meer, aber einen solchen Strand hatten sie dort nicht. Dort war alles grau. Der Sand, das Wasser, die Krebse. In der Mitte der unteren Zeile tauchten irgendwann die Beine eines Liegestuhls auf, dann der Stamm einer Palme. Und in der Reihe darüber gesellten sich die nackten Beine einer hübschen Dame und die Stange eines Sonnenschirms dazu. In der dritten Reihe war die Palme bereits gewachsen und die Dame bis zu ihren Schultern angeklebt, als dem Jungen der Pinsel aus der Hand fiel und auf dem dreckigen Asphalt landete. Er hob ihn wieder auf, aber das nächste Stück, der Kopf der Dame, der bunte Sonnenschirm und die weißen Wellen des blauen Meeres, bekamen lauter kleine Pickel, so dass es aussah als hätte die feine Dame in ihrem rot-gelb gestreiften Badeanzug Windpocken. Erschrocken wich der Junge zurück als er es sah, dann aber musste er lachen und als er es erneut anschaute konnte er sich kaum mehr auf den Beinen halten, so schüttelte es ihn vor Lachen. Die letzte Reihe zeigte schließlich das Meer, den Himmel und eine wunderschöne Holzjacht mit aufgespanntem Segel. Stolz stand der Junge vor seinem Werk und putzte sich die Hände an seinen schmutzigen Lumpen ab. Er begann, die restlichen Papierstücke wieder aufzurollen, als ihm einfiel, dass er noch etwas vergessen hatte. Schnell klebte er neben das große bunte Bild noch ein kleines weißes mit schwarzen Zeichen darauf. Dann klemmte er sich die Rollen wieder unter den Arm, hob den schweren Eimer auf und marschierte, mit dem Pinsel in der anderen Hand, ein paar Meter weiter zur nächsten Wand. „Jeder kann sie sich leisten – die neuen Billigflüge der Lufthansa in den Süden ihrer Träume. Fragen Sie in Ihrem Reisebüro.“

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