Für Frau Gesing

 

 

Home Zurück Christines Seite Bildgalerie Die Haasen Familie Das Wesentliche

 

 

 

 

 

Es ist ein wunderschöner Morgen am Strand. Die Sonne ist gerade am Aufgehen und die Dünen werfen ihre ersten Schatten auf den hellgelben Sand. Man kann bereits erkennen, dass der ganze Tag voller Sonne, Lebenslust und Freude sein wird. Es ist Sommer. Oben auf der höchsten Düne steht eine Frau, gekleidet von einem hellgrünen Kleid mit lauter Knöpfen auf der Vorderseite. Der immerwehende Wind am Meer bläst ihr durch ihr schütteres blondes  Haar und sie hat die Augen geschlossen. Sie geniest die frühen Stunden vor der Arbeit, sind sie doch voller Ruhe und Harmonie. Eine stärkere Windböe erfasst nun auch ihr Kleid und es flattert an ihrem schlanken Körper. Von einer plötzlichen Freude überwältigt rennt sie lachend die Düne hinunter und am Meer entlang. Die Arme wirft sie in die Luft, ein lauter Schrei aus tiefstem Herzen verleiht ihrem Glück Ausdruck. Sie liebt den Morgen, sie liebt das Leben.  

Die Sonne scheint noch immer am Nachmittag. Erleichtert lässt sich die Frau in ihren Liegestuhl im Garten fallen. Auf dem kleinen Tisch neben ihr, ein Buch welches sie zu lesen gedenkt. Mit Sonnenhut und Sonnebrille, mit einem Stift in der einen und einem Doppelblatt in der anderen Hand macht sie sich daran, die Geschichte zu lesen, die sie ihren Schüler auf morgen aufgeben hat. Immer wieder hält sie inne und schreibt etwas auf, verharrt einen Moment lang bei einem Gedanken, verfolgt ihn weiter oder geht zum nächsten über. Es wird immer heißer. Sie geht in die Küche und macht sich einen kalten Drink. Die Kühle des Hauses ist verlockend und so verlagert sie ihren Arbeitsplatz in die Nähe der Hausmauer. Sie denkt an die Geschichte, versucht, sich die Personen vorzustellen, ihnen ein Gesicht zu geben. Und was nach zwei Stunden intensiver Arbeit am Schluss dabei rauskommt ist nicht weniger als drei DIN-A4-Seiten mit Überlegungen, Interpretationen und Gedanken. Sie liebt ihre Schüler und sie liebt das Arbeiten mit ihnen. Da sind sie stillen und die lauten, die, die schnell verstehen und die, die länger brauchen, dann gibt es die, die immer vorlesen wollen und manche, die sich nie zu Wort melden. Eine Wolke schiebt sich vor die Sonne. Mit einem Mal wird es kühler, der Abend kommt. Ihr Mann gesellt sich zu ihr auf die Gartenbank unter dem Nussbaum, sie kuscheln sich aneinander und tauschen sich über ihren Tag aus. Bald ist die Sonne ganz verschwunden, bereit, am nächsten Tag wieder aufzugehen, um mit ihrer strahlenden Kraft Freude zu bereiten...

Copyright by Christine