Fünftklässler

 

 

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Fünftklässler – mehr als nur eine Katastrophe? 

Ich versuche, in der Früh den Bus zu besteigen. Eine Masse kleiner Wusel drängt sich vor mir rein. „Hey! Könnt ihr nicht aufpassen?“ Diese kleinen Mistviecher! Einer schlägt mir seinen Schulranzen gegen den Arm, der andere quetscht mich zwischen Tür und Fenster ein. Jetzt schon völlig genervt finde ich nur noch einen Stehplatz im Gang. Na toll! Und wer sitzt neben mir? Ein Doppelsitz Kleiner. Noch ein Doppelsitz Kleiner. Und vor mir steht auch noch eine! Könnte die vielleicht mal ihren dicken ForYou-Schulrnazen abnehmen, damit ich den nicht ständig in den Bauch gerammt bekomme? „Hey, kannst du vielleicht deinen Schulranzen runtertun?“ „Was willst du denn, du Brillenschlange?“ kommt es mir prompt entgegen. Ich bin entrüstet! „Sag mal geht’s noch, oder was?“ „Ne, man, geht nicht mehr.“ Und damit dreht sie sich um und redet fröhlich mit ihrer Freundin weiter. Doch nach zwanzig Minuten sind wir endlich in der Schule. Immerhin den Schulbus habe ich überlebt! Nein, noch nicht ganz. Schon bevor wir halten stehen die ersten auf und quetschen sich zu uns in den Gang. He man, wir steigen hier alle aus! Und ob es zehn Sekunden früher oder später ist, ist doch egal! Müssen die jetzt schon ihre Sitze verlassen? Ich stelle mich demonstrativ vor so einen Kandidaten und muss wirklich mein ganzes Körpergewicht einsetzen, um ihn am reinquetschen zu hindern. Aber dann bin ich wirklich beinahe draußen. Ein letzter Depp schubst mich vollends aus dem Bus, mit dem Schwung krache ich beinahe in den schon wartenden Kumpel des Schubsers. „Pass halt auf!“ werde ich angepöbelt. „Ja ’tschuldigung, aber dein Freund hat mich gestoßen!“ verteidige ich mich. „Ne, mein Freund bestimmt nicht.“ „Doch, hat er!“ weiter will ich es nicht treiben und verlasse den Sechstklässler. „Du bist wahrscheinlich gestolpert, so lange Beine wie du hast!“ ruft es mir noch hinterher. Kleines Arschloch. Echt, ich könnte den Koller kriegen wenn ich nur an solche Leute denke. Man sollte ihnen allen den Hals umdrehen und sie in eine überfüllte Mülltonne stecken, die man dann in den Lech wirft. Diese unhöflichen, respektlosen, miesen kleinen Ratten! 150 m bis zum Eingang der Schule. Zwei Türen hintereinander. Die erste ist immer offen und mit einem Strom Schüler gelange ich durch diese. Die zweite wird mir vor der Nase zugeschlagen. Ich muss aufpassen, dass mich hier keiner überholt, immerhin ein Raum mit zwei Metern Abstand bis zur nächsten Tür. Ich greife an den Griff der Türe, öffne sie ein Stück und merke schon, wie sich an mir zwei vorbeiquetschen wollen. Mit Schwung verhindere ich das und drücke die beiden einfach zur Seite. Können diese kleinen Biester nicht einmal so höflich sein, mich am Leben zu lassen, bis ich in meiner Klasse bin? Anscheinend nicht. Nachdem ich mich zehn Minuten erholt habe und es gongt mache ich mich einmal mehr auf, mein Klassenzimmer aufzusuchen, und davor noch einen schnellen Blick auf den Vertretungsplan zu werfen. Der einzige Ort, an dem nicht nur die Kleinen drängeln. Aber die sind die einzigen, die zwei Minuten davor stehen bleiben, um ihn zu lesen. Und natürlich stehen sie ganz oben auf dem Plan und wir ganz unten. Ich sehe also nur Köpfe wenn ich versuche meine Klasse auf dem Plan zu entdecken. Und dann dieser Lärm. Fünft-, Sechst- und Siebtklässler sind immer laut. Sie rennen ständig rum, drücken und drängeln, schubsen und rempeln mich an. Außerdem sind sie alle mindestens zwei Köpfe kleiner als ich. Irgendwie fühle ich mich etwas zu alt und erhaben für derartiges nerviges Verhalten. So schreite ich stolz über sie hinweg und versuche, das auch meiner Klassenkameradin mitzuteilen. „Man sollte sie echt verbieten. Die Unterstufler regen mich so auf! Argh, man sollte sie alle von der Schule entfernen.“ Ein genervter Seufzer entschlüpft mir.  „So ein Schwachsinn!“ erwidert da meine Freundin. „Wieso?“ frage ich, bekomme aber keine Antwort, sondern blicke nur in ein Gesicht mit großen, mitleidigen Augen, die eine mir unerklärliche Liebe für diese Biester ausstrahlen.

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