Looks like Daniel

 

 

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Looks like Daniel, must be the clouds in my eyes…

 

Manchmal spüre ich diese große Leere in mir. Wie ein schwarzes Tuch legt sich die Melancholie über mein Gemüt und ich werde tieftraurig. Draußen scheint die Sonne, Kinder spielen auf der Straße und die Vögel zwitschern im tiefblauen Himmel. Meine Seele scheint mit ihnen davonzufliegen. Ich verliere mich im Himmelsblau, das schon bald in Schwarz übergeht und mir nur den einen Gedanken zugesteht: Daniel. Mein geliebter Freund. Er war wie ein Bruder für mich. Ich rufe seinen Namen, schreie ihn durch die Dunkelheit meiner Trauer. Ich versuche die Leere zu füllen, aber sie drückt mir meine Eingeweide auseinander, will mich sprengen. Dann krampfe ich mich wieder zusammen, weil ich es nicht ertragen kann. Meine Fäuste trommeln auf meinen Bauch, gegen meinen Kopf. Ich bin verwundet, man hat mir mein Herz herausgerissen. Wenn es gar nicht mehr auszuhalten ist springe ich so oft auf den Boden, bis mir alles weh tut und ich kurz davor bin, mir die Beine zu brechen. Oder ich schlage mit dem Kopf gegen die Tischkante, bis der physische Schmerz den seelischen ablöst und mir in Tränen die Wangen herunterfließt.

Manchmal ist es nicht so schlimm. Da fallen mir dann die ganzen schönen Stunden ein, die wir gemeinsam hatten. Wehmütig denke ich an die Stunden im Gras und auf dem Sofa zurück, in denen wir uns aneinandergekuschelt hatten und einfach nur das Schöne des Augenblicks genossen. Daniel, mein Bruder. Dein Lachen war einzigartig auf der Welt und ich werde nie vergessen, wie du Tränen vergossen hast, als dein Hund gestoben ist. Dieser knuddelige, freundliche, wunderschöne Golden Retriever, der eigentlich noch ein Welpe war. Sehe ich heute eines dieser liebenswürdigen Tiere, so muss ich mich schnell zu Seite drehen, damit man nicht sieht, dass ich weine. Wie hast du damals gelitten, und ich mit dir! Denn du warst ich und ich war du und wir haben Freud und Leid geteilt. Und deshalb bin mit dir eigentlich auch ich gestorben.

Manchmal sehe ich dich in der Menge. Deinen Pferdeschwanz, deine Schultern, deine Stirn. Mehr nicht. Doch wenn ich blinzle bist du wieder verschwunden und ich sage mir, dass es wohl die Wolken in meinen Augen gewesen sein müssen, dass du es gar nicht gewesen sein kannst, weil du ja tot bist. Aber ich will es nicht wahrhaben. Und in den wenigen Momenten, wo ich wirklich begreife, dass du nie wieder mein Gesicht berühren wirst, betäubt mich ein so starker Schmerz, dass ich sie am liebsten sofort verdränge. Ein Schleier des Vergessens legt sich über dein Bild. Langsam verblasst du. Es ist, als ob du mich ein zweites Mal verlässt. Und ich weiß, dass wenn du ganz verschwunden sein wirst, dass ich dann entweder mit dir verschwinde oder neu anfangen muss.

Den größten Teil der Zeit bin ich damit beschäftigt, mich abzulenken. Von dir und allem was war. Ich schaue viel fern, besichtige endlich einmal die Sehenswürdigkeiten unserer schönen Stadt oder arbeite im Garten. Und stets hoffe ich, dass der nächste Tag ohne einen Abend davor kommen möge. Aber er tut es nicht. Abends ist es am schlimmsten. Wenn ich nichts mehr zu tun habe, wenn ich in mein Bett steige, mein Blick auf den Sessel fällt, in dem du so gern gesessen hast. Mein Herz wird schwer und schwerer. Wann werde ich wieder normal leben können? Jeden Abend frage ich mich das und jeden Abend komme ich zu dem selben Schluss: wohl niemals. Wenn meine Gedanken Ruhe gefunden haben von den Aufgaben des Tages und ich kurz davor bin einzuschlafen, dann kommst du und erinnerst mich. Meine Sehnsucht nach dir ist noch immer unerfüllt groß und meine Seele dürstet nach deinen Worten der Zärtlichkeit. Du hast es verstanden die Seele zu streicheln, ein absolutes Wohlbefinden zu erzeugen, dem niemand entfliehen möchte. Ich liebe dich, Daniel.

Sag nicht, ich hätte nicht versucht zu leben. Aber ohne dich verblute ich. Die Wunde, die du geschlagen hast bei deinem Tod, sprudelt unermüdlich weiter und ich werde wohl bald bei dir sein. 25 Jahre sind genug. Hoffentlich wird unser Sohn nicht zu misstrauisch, wenn er merkt, dass ich eine seiner Rasierklingen genommen habe...

 

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