Träum weiter Verena

 

 

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Träum ruhig weiter, Verena!

Eine Geschichte ohne Handlung

 Wieder einmal ist es ein furchtbar heißer Tag in dem kleinen Dorf Taranta in Süditalien. Die Sonne brennt unaufhörlich auf das rote Pflaster und jede Blume scheint unter der Last der Hitze zu verdorren. Sobald man das kühle Haus verlässt schmilzt einem die Sonne das Gehirn aus dem Schädel. Verena, ein kleiner Hitzkopf aus der Computerbranche, scheint das jedoch nichts auszumachen. Sie steht im Türrahmen ihres kleinen weißen Hauses und betrachtet die menschenleere Straße.

„Nichts los heute.“ denkt sie und lässt dabei ihren Blick hin- und herschweifen. „Eigentlich wäre das die ideale Gelegenheit, eine kleine Runde zu drehen...“

Verena dreht sich um und geht in das wegen der Wärme abgedunkelte Schlafzimmer im hinteren Teil des Hauses. Sie zieht unter ihrem Bett etwas kleines eckiges hervor und verstaut es in der Hosentasche ihrer Short. Dann begibt sie sich nach draußen. Das grelle Licht nimmt ihr für eine Sekunde die Sicht, aber schnell fasst Verena sich und spaziert los in Richtung Meer. Vier Häuser7 weiter hält sie an. Sie betritt den Gartenweg und ruft zur offen Tür hinein:

„Sabiiii, hast du Lust mitzukommen?“

„Veri?“

„Jaha. Kommst du jetzt oder was is los?“

„Moment, bin gleich da.“

Eine halbe Minute später erscheint ein großes, rothaariges Mädchen, das bis über beide Ohren grinst. In ihrer Hand hält sie die neuste Ausgabe der „Times“.

„Hast du schon gesehen?“

„Was?“

„Die Mafia treibt sich hier rum. Gestern haben sie den Unterhändler der ‚Vereinigung zur Bekämpfung des Unrechts’ mit einer Tussi im Wagen gesehen.“

„Woa geil, zeig mal!“

„Und? Schon Kontakt aufgenommen?“

„Hhhä? Was meinst du?“

„Na wenn sie schon in unserem Kaff sind...!“

„Spinnst du?“

„Ja, du wolltest doch zur Mafia!“

„Wer hat das denn behauptet?“

Der Schatten des Baumes in dem sie stehen wird immer kürzer und bald nimmt die Hitze ihnen die Fähigkeit weiter zu diskutieren. Verena und Sabrina begeben sich in Richtung Wasser und bald schon können sie das kühle Nass glitzern sehen. Gemeinsam schlendern sie am weißen Strand entlang, ohne noch ein weiteres Wort über ihr vergangenes Gespräch zu verlieren.

Plötzlich zieht Verena Sabrina am Arm und zeigt auf die Klippen, die ganz in ihrer Nähe steil ins Wasser fallen.

„Schau mal, da!“

„Wo?“

„Siehst du das dunkle Loch?“

„Ja, und?“

„Komm, das ist bestimmt eine Höhle!“

„Ja und? Hier hat’s massig Höhlen.“

„Ja, aber diese ist etwas besonderes!“

„Ja klar, verarschen kann ich mich selber!“

„Bist du blöd! Komm, wir gehen jetzt da hin!“

Und schon läuft Verena los. Leichtfüßig fliegt sie über den Sand und ihre Schuhe hinterlassen kaum Abdrücke. Ihr kurzes, spärliches Haar flattert verloren im Wind. Sie steigt geschickt die Felsen hinauf und steht schon kurze Zeit später in einer großen Höhle.

„Sabi?“ ruft sie ein wenig verschüchtert. Und dann noch einmal: „Sabi?? Sabi, verdammt noch mal, komm mal her!“

„So, da bin ich. Hättest ruhig auf mich warten können!“ keuchend steht Sabrina nun neben Verena und schaut sich staunend um.

„Siehst du, ist doch eine besondere Höhle“, triumphiert Verena.

„Wieso sollte sie?“

„Ja, wieso auch nicht?“

„Nur weil ich doch gekommen bin?“

„Nein, sie wäre auch ohne dich etwas besonderes!“

„Oh, danke!“

„Bitte.“

Ein hoher, dunkler Raum voller Dunkelheit, nur mit ein bisschen Licht am Eingang umgibt die zwei Mädchen. Seine Wände sind glatt aber trocken. An einer Stelle weiter hinten kann man ein leises Plätschern hören. Die Schritt der Freundinnen hören sich dumpf und hohl an, als sie weiter in das Dunkel vordringen. Es wird nachtschwarz und plötzlich schreit Verena auf.

„Ah, verdammt! Ich bin wo dagegen gestoßen. Scheiß Teil! Sabi hilf mir mal!“

„Was ist das?“

„Hee, stütz mich mal, ich muss mir meinen Schuh ausziehen, ich glaube ich blute!“ Sie hüpft auf einem Bein umher und schafft es schließlich, den Schuh von ihrem Fuß zu ziehen.

„O oh, meine Socke ist ganz nass. Und hier riecht’s nach Blut. So ein Mist!“

„Veri guck mal wo du dagegen gestoßen bist!“

„Ist mir egal, ich brauch einen Verband!“

„Eine große Truhe, glaube ich.“

„Waaas, wo? Ich seh nix!“

 

Es regnet nun schon seit zwei Wochen fast ununterbrochen. Die Straßen New Yorks sind nass und ungemütlich. Dennoch strömen die Menschen durch die Gassen um ihren Geschäften nachzugehen. In einem kleinen Laden hinter der Kasse sitzt Frau Hermel, eine nette, ältere Dame, die ihre grauen Haare mit einem misslungenen lilafarbenen Tönversuch zu verbergen versucht, und liest Zeitung. Als sie die Ladenglocke hört blickt sie auf und registriert eine junge Dame, deren rote Haarpracht eine Karotte erblassen ließe.

„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“

„Hallo, sehr freundlich! Ich suche die Besitzerin dieses Ladens! Ist sie hier irgendwo?“

„Wollen Sie das Gameboy-Spiel ‚Renn kleiner Bulle, renn!’ erwerben?“

„Wenn Sie es im Keller lagern haben.“

„Nein, wir haben die heutige Fuhre im ersten Stock verstaut.“

„Mit Verpackung?“

„Ja, kommen Sie, ich zeige es Ihnen!“

„Nein, danke. Ich finde den Weg schon. Erster Stock also?“

Die junge Dame verschwindet in einem Treppenaufgang im hinteren Teil des Geschäfts und Frau Hermel widmet sich wieder ihrer Zeitung.

Bank unterschlägt Millionen

ROM – Wie die Untersuchungen auf Grund eines Schnellverfahrens gegen die Bank „Securo“ ergaben, hat diese seit mehreren Jahren schwerwiegende Fehler in der Buchhaltung gemacht, wodurch rund 15 Millionen Dollar unterschlagen worden seien. Der Direktor der Bank erklärte, dass er allen seinen Mitarbeitern vertraue, außerdem werde die Buchhaltung durch einen Computer gesteuert, dessen Programm der Multimillionär Bill Gates extra für diesen Zweck entwickelt hatte. Fehler im System seien demnach auszuschließen, zumal der Rechner ebenfalls einer genauen Prüfung unterzogen wurde. Nach dem viele Kunden der Bank sich über.....

Lächelnd blättert sie um.

Die Stufen knarren, als sie sich in den ersten Stock begibt. Das hohe, dunkle Treppenhaus macht ihr keine Angst mehr. Nur der Gedanke an das Alter dieser Konstruktion, lässt Sabrina einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Auch jetzt bekommt sie eine Gänsehaut, aber weniger wegen der Treppe als wegen der bevorstehenden Begegnung. Noch bevor sie an die Tür klopfen kann hört sie ein deutliches „Komm herein!“ Sie rafft sich zusammen und lässt den Anfang der Geschichte noch einmal Revue passieren, bevor sie die Klinke in die Hand nimmt und das Zimmer betritt.

 

Normalerweise hätte die Mafia jeden sofort kalt gemacht, der ihre Schmuggelware entdeckte, aber Verena war ein zu schlauer Kopf um sich nicht retten zu können. Sie schaffte die Elektronikware in eine andere der vielen Höhlen und hinterließ nur einen Zettel mit den Worten: „Ich hab sie. Ich hab euch. Wollt ihr sie wieder? Wenn ich tot bin werdet ihr sie nie finden! Samstag Abend um 20 Uhr.“ Und sie kamen tatsächlich. Männer in schwarz, mit Pistolen im Gürtel und grimmigen Augen. Verena wartete in der Höhle, in der sie auf die Truhe gestoßen war und überlegte sich die richtigen Worte.

„Lasst mich ins Geschäft einsteigen!“ forderte sie.

„Hast du sie noch alle? Wir sind keine Firma!“

„Das weiß ich.“

„Dann weißt du auch, dass wir nicht einfach jemanden an unseren Geschäften beteiligen.“

„Ja, auch das weiß ich. Aber ohne mich, könnte ihr dieses Geschäft vergessen!“

„Wo ist die Ware?“ Der, der Mario genannt wurde zog seine Waffe.

„Tote schweigen auf ewig!“

„Na gut.“ Er steckte die Waffe wieder weg. „Wo ist sie?“

„Wann kann ich einsteigen?“

„Mein Gott, haben wir dir nicht gesagt, dass das so nicht funktioniert? Glaubst wohl, nur weil du was gefunden hast was uns gehört, kannst du uns zum Besten halten?“

„Die Polizei wird sich für die Ware interessieren!“

„Verdammt, du kannst uns nicht erpressen!“

„Sei mal still Franco! Vielleicht ist die Kleine zu was gut!“ und zu Verena gewandt: „Was willst du?“

Nun erläuterte Verena ihm ihren ganzen Plan.

 

Und heute sitzt sie hier, hinter dieser Tür. Nur ein Stück Holz trennt Sabrina noch von der einflussreichsten Frau der italienischen Mafia in New York. Die Tür knarrt und zunächst sieht Sabrina nur einen großen Sessel, der vor einem Computer steht. Verena dreht sich um.

„Ja?“

„Äh, hi!“

„Wer bist du und wie kommst du hierher?“

„Ich habe die Treppe genommen.“

„Ganz toll! Und was willst du? Ich habe zu tun. Bin gerade dabei....he, jetzt rede ich schon mit dir über....wer verdammt noch mal bist du?“

„Ganz ruhig, Veri!“

Augenblicklich ist alle Wut verschwunden und Verena blickt Sabrina mit offenem Mund an.

„Sabi?“

„Veri, ich habe eine großartige Idee!“

„Sabi?“

„Wie wäre es, wenn wir den reichsten Mann Amerikas abzocken?“

„Ich kann es nicht glauben. Sabi, bist du es wirklich?“

„Ich habe auch schon eine Idee. Hör zu: Wie ich zufällig erfahren habe, ist die Tante meiner Mutter, weitläufig mit Gates erster Frau verwandt. Ich glaube sie war seine Großcousine. Wenn wir nun...“

„Es muss wahr sein. Deine roten Haar sind immer noch so rot wie vor 15 Jahren.“

„14 Jahren.“

„Liest du immer noch die ‚Times’?“

„Wenn ich die Zeit dazu finde.“

„Ich bin platt.“

Draußen geht langsam die Sonne unter, und die Skyline New Yorks wirft ihre langen Schatten über die Häuser um das Geschäft. Es ist klar geworden und der Regen ist weitergezogen.

„Du bringst gutes Wetter mit!“

„Ja, frisch aus Italien, wo die Sonne das ganze Jahr scheint!“

„Erinnere mich nicht an Italien. Ich habe hier in New York genügend Italien.“

„Lohnt sich die Mafia?“ das war eine dumme Frage, aber Sabrina wollte Verena auf ein bestimmtes Thema zu sprechen bringen.

„Nur wenn man Patin ist.“

„Das bist du doch! Erinnerst du dich noch, wie du gesagt hast ich spinne, weil ich dir vorgeschlagen habe zu Mafia zu gehen“

„Ja.“

„Und? Nicht glücklich?“

„Nein. Noch nicht ganz.“

„Was fehlt dir denn noch zu deinem Glück?“

„Gates.“

„Gates? Wie willst du das anstellen?“

„Ich habe schon alles dafür fertig. Ein Täuschungschip. In der Bank hat er wunderbar funktioniert. Jetzt muss ich ihn nur noch in das staatliche Geburtsregister einschleusen, dann bin ich die offizielle Tochter des millionenschweren Hundes.“

„Veri!“

„Ja, ist doch klasse! Ich werde 78 Millionen Dollar erben.“

„Und wie willst du das anstellen?“

„Ich schaff das schon.“

Sie lächelt zuversichtlich. Ihre kleinen Augen blitzen verschmitzt auf. Das Büro wird dunkel, die Sonne ist verschwunden. Sabrina macht sich wieder auf den Rückweg. Ihre Gedanken wandern zu ihrer Freundin. So wie Verena es geschafft hatte, zur Mafiapatin aufzusteigen, wird sie auch ihr Ziel, Alleinerbin Bill Gates zu werden, erreichen.

 

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