Im Wilden Westen

 

 

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Hi meine Freundin!                                                                                    11.12.01

 

Gestern schrieben wir eine Deutscharbeit mit dem Thema :“Du im Wilden Westen“. Das habe ich dazu geschrieben:

 

Ich im Wilden Westen

Ich weiß nicht wo ich bin. Schaue mich um. Es ist dunkel. In der Ferne sehe ich ein kleines Licht scheinen. Aha, denke ich, da ist wer. Ein Feuer. Wo ein Feuer ist, ist auch ein Pfeife. Denn keine Pfeife ohne Rauch. Und wo eine Pfeife ist, ist auch jemand, der sie hält, denn Pfeifen rauchen nicht von alleine. Und wer Pfeife raucht, der muss von menschlicher Natur sein. Ich schließe daraus, dass bei dem Rauch bei dem Feuer ein Pfeife rauchender Mensch, oder so was in der Art sein muss. Also stolpere ich durch das undurchdringliche Schwarz der Nacht. Nun, ganz undurchdringlich war es nicht, denn nach fünf Steinen im Knie und etlichen in der Hand, ich bin natürlich gestolpert, denn das undurchdringlich war zwar durchdringlich, aber eben nicht sehr einfach zu durchdringen, bin ich doch tatsächlich bei der Pfeife angekommen. Diese begrüßt mich mit einem „Howdy Dowdy! Was machst du denn hier?“ und mustert mich eindringlich, wobei sie mich nicht etwa mit einem vorgegeben Muster vergleicht, sondern bestimmt feststellt, dass ich genauso einzigartig bin wie alle anderen auch, mal abgesehen von Dolly, sie schaut mich also nur sehr genau an. Ich schaue sie ebenfalls an. Die Pfeife. Komisch, die hat ja gar keine Pfeife im Mund, die Pfeife. Wo kam dann aber der Rauch her? Vom Feuer wahrscheinlich. Ich gebe mich mit dieser Erklärung zufrieden und muss plötzlich fragen: „Was machen Sie denn her?“ Das alles passierte innerhalb von Sekunden innerhalb dieses Landes, das mir so fremd ist. Es klang also so: „Howdy Dowdy! Was machst du denn hier?“ „Was machen Sie denn hier?“ „Na ich sitze am Feuer und koche mir einen Topf voller Bohnen. Und du?“ „Ich sitze jetzt auch am Feuer und hoffe von Ihren Bohnen was abzubekommen.“ Und dabei meine ich nicht, dass die Bohnen mit schlagen sollen, sondern dass ich einen Teil von ihnen essen darf. Also schon ganze Bohnen, aber nicht alle, sondern nur einige davon, auch wenn sich die anderen dann benachteiligt fühlen werden, aber so ist das nun mal im Leben. Auch ich fühle mich benachteiligt, also nach etwas erst beteiligt. Ich wurde in meiner Kindheit, die jetzt schon Sekunden zurückliegen zu scheint, immer erst nach meinen Geschwistern, ich hatte 4 Schwestern und 2 Brüder, am Essen und allem anderen beteiligt, also benachteiligt. Manchmal hat das aber auch Vorteile, wenn man zum Beispiel beim Zimmeraufräumen benachteiligt wird, kann man die Zeit in der die anderen aufräumen zum spielen ohne Störfaktoren, womit ich meine Geschwister meine, nutzen. Aber jetzt hoffe ich, dass ich benachteiligt werde, denn die Pfeife am Feuer, er sieht aus wie ein Cowboy, aber es muss eine Pfeife sein, denn Papa sagte immer: „Wo ein Feuer ist, ist auch eine Pfeife.“, beginnt schon mit dem Essen der nur halbweichen Bohnen. Ich würde gern benachteiligt werden, die Bohnen also erst bekommen wenn sie ganz weich sind, aber da hat er mir schon einen Teller voll vollgeschöpft und ich sagte artig danke. „Und nun erzähl mal, was so einen jungen Kerl wie dich in diese raue Gegend treibt.“ Fordert er mich auf. Jung? Ich bin immerhin schon 15 Jahre all, also laut Gesetz in Deutschland schon bestrafbar. Ich schiebe mir einen Löffel voll der halbweichen Bohnen in den Mund und erzähle ihm, wie alles angefangen hat.

„Ich bin vor 15 Jahren in meiner Heimatstadt im Beisein meiner Mutter geboren. Daheim. Ins Krankenhaus hat es leider nicht mehr gereicht. Da ich das 7. oder 8. Kind war, so genau weiß das keiner, wuchs ich auf ohne viel Beachtung zu bekommen. Wobei man schon auf mich geachtet hat, damit ich auch immer das tue was die anderen wollten. Ich war ihre Magd und jetzt bin ich hier.“ Ich schloss meine Erzählung mit einer bestimmenden Stimme, dass es jetzt wirklich zu Ende sei und einem nachdenklichen Nachton. Ein Ton, der noch im Ohr, besser gesagt im Gehirn in unserem Thalamus nachklingt, also noch ein bisschen nach der Erzählung in Erinnerung ist. Der Cowboy hat mir aufmerksam zugehört und nickt mir nun zustimmend zu. Ich stehe auf, räkle mich, strecke mich, öffne den Mund um zu gähnen, tu dies auch, schließe ihn wieder, lasse einen Seufzer los und verabschiede mich mit dem italienischen Begrüßungswort „Ciao“. Ich verlasse einen etwas leicht irritierten Mann und mache mich auf. Auf bin ich schon, ich beginne also weiterzugehen. Immer in Richtung Westen, denn ich soll ja in den Wilden Westen. In Erdkunde war ich noch nie gut und nach etwa zwei Stunden Nichtfindenswasmansuchet, kurz gesagt Herumirrens, lege ich mich müde auf die kahle Erde. Die letzten Gedanken vor dem Einschlafen sind die, ob es eine kahle Erde überhaupt gibt, denn auf der Erde ist doch Erde, nackte Erde wäre besser, nein, nackt ist sie auch nicht. Nackt können nur Menschen oder gehäutet Tiere sein. Sind Tier nackt wenn sie gehäutet sind. Definition von nackt? Kein Schutz für die Haut. Wenn Tiere aber gehäutet sind haben sie doch keine Haut mehr, können also nicht nackt sein....Ich weiß nicht wie es weitergeht, denn ich entschwinde in das unsichtbare Reich der Träume sofern oder nah es denn existiert.

 

Dann war die Stunde zu Ende und wir mussten die Blätter abgeben. Schade, ich war doch noch gar nicht fertig. Als wir am Montag die Arbeit wieder herausbekamen stand auf meiner eine rote fünf. Themaverfehlung. Ich war sauer, denn ich hatte doch über mich im Wilden Westen geschrieben, doch leider war die Geschichte halt etwas kurz geraten und der Hauptteil hat genau da angefangen als die Stunde aus war. Ich habe ihr das gesagt, aber sie meinte, das könne ich ihr wohl nicht beweisen und es wird bewertet was in der Stunde geschrieben wird. Außerdem sei meine Sprache ungewöhnlich schlecht und nur schwer leserlich. Kannst du das verstehen?

 

Grüße an Mama und Papa

                                                                                    Deine Christine

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