Die Asymptote und die Angst

 

 

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Die Asymptote und die Angst, Grenzen zu überschreiten

Dies ist die Geschichte einer Asymptote. Sie wurde irgendwann im Alter von 3 Einheiten aufgezeichnet und damit begann ihr Schicksal. Bevor sie nicht gezeichnet wurde, wusste sie gar nicht, was sie einmal erwarten würde. Sie lebte fröhlich vor sich hin, immer in dem Glauben eine Kurve, oder vielleicht eine Gerade, oder sogar ein Kreis zu sein. Man muss dazu sagen, dass Asymptoten dumm und unberechenbar sind. Hat man sie anfangs noch im Griff, so verliert man sie nach spätestens nach ein paar Einheiten. Unsere Asymptote hatte also auch noch nie über ihre Zukunft nachgedacht. Sie plante keine Kurven, keine Schneidungen, keine Berührungen. Sie wurde absolut überrascht, als sie sich eines Tages auf dem Blatt eines Schülers wiederfand. Schockiert, irritiert und etwas dämlich schaute sie sich um. Irgendwie fühlte sie sich beschränkt. Konnte das sein? Um sie herum waren lauter graue Linien, militärisch angeordnet. Anfangs durchquerte unsere Asymptote diese noch diagonal, aber als sie sich auf den Weg machte nach oben, ließ das schnell nach. Links von ihr und unter ihr waren auf einmal Grenzen. Welch eine Qual für unsere freiheitsliebende Asymptote! Sie bewegte sich nach oben. Nein, dort war es langweilig. Und unten? Gab es vielleicht einen Ausweg? Da Asymptoten dumm und unberechenbar sind, sah sie nicht, dass es nach oben keine Grenze gab. Sie sah nur die nach unten und links und wusste, dass sie diese unbedingt überschreiten wollte. Schnell! Von weitem konnte sie ein Schild erkennen, leider aber nicht lesen, denn sie hatte äußerst schlechte Augen. Also näherte sie sich der Grenze, um das Schild lesen zu können. Nach einer ganzen Strecke endlich gelang es ihr und sie konnte entziffern: „Vorsicht Grenze! Überschreiten für Asymptoten verboten! Auflösungsgefahr!!!“ Unsere dumme Asymptote wollte aber unbedingt wissen, was sich hinter der Grenze befand. Sie näherte sich noch ein Stück. „Vorsicht Minen!“ Die Neugier überwog. Noch ein Stück. „Betreten des verminten Gebietes verboten!" Ein leicht mulmiges Gefühl. Noch ein Stück. „Lebensgefahr!“ Leichte Zweifel kamen auf. Noch ein Stück. „Es wird auf alles geschossen!“ Ein bisschen Angst. Noch ein Stück. „Warnung vor den schneidende Hyperbeln !“ Die schneidenden Hyperbeln sind  der größte Feind der Asymptote. Und das war es wohl auch, was sie veranlasste nicht über die Grenze zu gehen, jedenfalls nicht an dieser Stelle und nicht an der nächsten und der übernächsten und der überübernächsten und der überüberübernächsten. Das war die Geschichte der Asymptote, die sich nicht traut die Grenze zu überschreiten, da sie die schneidenden Hyperbeln so fürchtet, dass sie lieber für immer und ewig an der Grenze entlang läuft. Vielleicht findet sie ja irgendwo eine Stelle, wo auf der anderen Seite der Grenze keine Hyperbeln lauern, wie weiß?

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